20 Jahre Pädaudiologie in der Kinderklink

Datteln (om). Die Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln blickt auf ihr 20-jähriges Bestehen zurück. Das bundesweit einzige Fachinstitut seiner Art an einer Kinderklinik organisiert anlässlich des runden Geburtstages eine Tagung mit zahlreichen namhaften Medizinern und Therapeuten am Samstag, 7. Juni, von 9 bis 17 Uhr in der klinikeigenen Cafeteria.

„Mit dem Symposium wollen wir uns selbst auf den allerneuesten Stand bringen, unseren Partnern das hauseigene Leistungsspektrum zeigen und uns für die bisherigen Kooperationen bedanken. Denn bis zum heutigen Stand war es ein langer Weg“, betont Chefärztin Professorin Ute Pröschel. Gegen viele Skeptiker und trotz Finanzierungsengpässen richtete die Vestische Kinder- und Jugendklinik unter dem Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Werner Andler die Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie 1988 ein.

Die Krankenkassen ließen sich nur langsam vom Sinn dieses Projektes überzeugen. Ziel war es, unter dem Leitgedanken „Der Experte sollte zum Kind kommen“ die medizinische Versorgung der kleinen Patienten zu komplettieren und verbessern. So konnte bis dahin etwa nicht unmittelbar geklärt werden, ob ein zu früh geborenes Baby normal hörend war oder nicht. Das Gleiche galt für Kinder mit Krebserkrankungen oder schweren Infektionserkrankungen, die sich einer Behandlung mit das Gehör schädigenden Medikamenten unterziehen mussten.

Gründerin und erste Chefärztin war Dr. Agnes Hildmann. Sie und ihr Team richteten 1994 in Kooperation mit der HNO-Klinik der Ruhr-Universität Bochum das „Cochlea-Implantat-Zentrum-Ruhrgebiet“ ein. In diesem werden schwerhörige Kinder untersucht, für die ein normales Hörgerät nicht mehr ausreicht, und nach der operativen Einsetzung einer elektrischen Hörhilfe in das Innenohr weiter versorgt.

Ein Schwerpunkt der Abteilung war schon immer die Früherkennung von Hörstörungen im Neugeborenenalter. Gemeinsam mit der Geburtshilfe-Abteilung des benachbarten St. Vincenz-Krankenhauses wurde 1990 in Datteln ein Siebtest für Hörstörungen bei Neugeborene eingeführt – bundesweit einer der ersten Standorte mit diesem Angebot.

Weitere Schwerpunkte sind die diagnostische und therapeutische Betreuung mehrfachbehinderter Kinder und Jugendlicher bei Hör-, Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen. In den letzten Jahren kommt zunehmend die Hör- und Sprachverarbeitung bei Kindern mit Problemen bei der Schriftsprache hinzu. Viele dieser Kinder hatten zuvor im Vorschulalter erhebliche Probleme in der Sprachentwicklung.

In der Abteilung arbeiten heute neben Chefärztin Pröschel fünf weitere Ärzte, eine Psychologin, eine Heilpädagogin sowie mehrere Sprachtherapeuten, Audiometrieassistentinnen und Verwaltungsfachkräfte. Die technische Ausstattung umfasst alle Möglichkeiten zur objektiven und subjektiven Diagnostik von Hörstörungen. Ein bewährtes Verfahren ist außerdem die detaillierte Untersuchung von Stimmstörungen und Schluckstörungen, z.B. mittels endoskopischer Videodokumentation.

Die Phoniatrie und Pädaudiologie kooperiert mit allen Abteilungen im eigenen Haus und vielen Partnereinrichtungen, z.B. den Neugeborenenabteilungen der Kinderkliniken Witten und Essen, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Knappschaftskrankenhäuser Recklinghausen und Bochum (bei Kindern mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten und anderen Gesichtsfehlbildungen), der HNO-Abteilung des Prosper-Hospitals Recklinghausen (Ohrfehlbildungen), den Schwerhörigenschulen in Bochum, Essen, Dortmund und Gelsenkirchen sowie vielen Behinderten-Einrichtungen in der Region.

Jüngstes Projekt ist die Betreuung psychisch kranker schwerhöriger Kinder und Jugendlicher in Kooperation mit der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Vestischen Kinder- und Jugendklinik. Schwerhörige weisen vier- bis fünfmal häufiger psychische Störungen auf als normal Hörende. Für diese Kinder gibt es bundesweit bisher erst ein Zentrum im sachsen-anhaltinischen Uchtspringe.

Wednesday, 4. June 2008, 13:11 • Verfasst in

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