Kämpferischer Blick in die Zukunft
Arbeitnehmerempfang der Stadt Marl

Bild: Zum Arbeitnehmerempfang hatten die Stadt Marl und Bürgermeister Thomas Terhorst (l.) eingeladen. Zu den Gästen sprachen auch Verena Gärtner, IGBCE-Leiterin des Bezirkes Recklinghausen, Thorsten Römer, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes Marl und Josef Hovenjürgen (r.), Parlamentarischer Staatssekretär in der NRW-Landesregierung und Landtagsabgeordneter.
Marl. Iran-Krieg, steigende Mehrausgaben, explodierende Preise an den Tankstellen, Personaleinsparungen bei Großkonzernen – beim diesjährigen Arbeitnehmerempfang der Stadt Marl gab es eine Menge Themen, die die Gäste aktuell bewegen. Rund 100 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie Mitglieder der Politik und Verwaltung konnte Bürgermeister Thomas Terhorst in der Scharounschule begrüßen.
„Sich lohnende Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für eine gerechte Gesellschaft. Wer jeden Tag aufsteht, wer Verantwortung übernimmt, wer seine Zeit, seine Kraft und oft auch seine Gesundheit in den Dienst seiner Arbeit stellt, der muss davon leben können“, sagte das Stadtoberhaupt und nahm damit das DGB-Thema des diesjährigen 1. Mai auf – „Erst unsere Jobs, dann eure Profite!“. Terhorst: „Arbeitsplätze sind das Rückgrat unserer Stadt. Sie sichern Einkommen, sie schaffen Stabilität und sie geben Menschen das Gefühl, gebraucht zu werden.“
Auch Hauptredner Josef Hovenjürgen, Parlamentarischer Staatssekretär in der NRW-Landesregierung und Landtagsabgeordneter, richtete den Blick auf den Wirtschaftsstandort Marl, der für ihn noch einer der wichtigsten in Nordrhein-Westfalen ist, und die hier arbeitenden Menschen, allen voran im Chemiepark. Marl sei eine Stadt, in der die Gewerkschaften eine Heimat haben und in der die Mitbestimmung gelebt werde. „Eine Stadt, in der man noch weiß, was es heißt, wenn am Morgen die Schicht wechselt und am Abend die Kollegen gemeinsam nach Hause gehen“, so Hovenjürgen.
Preissteigerungen betreffen alle
Doch er machte auch klar, wer aktuell eine der finanziellen Hauptlasten in der Gesellschaft tragen muss und die Gründe dafür: „Wir erleben gerade, wie sehr die Stabilität unserer Energieversorgung von geopolitischen Entwicklungen abhängt. Die Preissteigerungen der vergangenen anderthalb Monate betreffen alle – aber sie treffen vor allem die hart, die jeden Morgen zur Arbeit fahren müssen, weil sie keine Alternative haben.“ Zudem erlebe Deutschland, wie verletzlich eine Volkswirtschaft ist, die so stark auf Energieimporte angewiesen ist wie unsere. Damit kam der Landtagsabgeordnete wieder auf die Chemie zurück. Denn Energie sei auch einer der wichtigsten Produktionsfaktoren in der chemischen Industrie. Energie sei dort kein Luxus, sondern wie das Lebenselixier der Produktion.
Energiekosten in den Griff bekommen
„Wer die Energiekosten nicht in den Griff bekommt, der gefährdet nicht nur einzelne Produktionsanlagen. Der gefährdet ganze Wertschöpfungsketten. Der gefährdet Ausbildungsplätze. Der gefährdet die Zukunft junger Menschen, die hier in Marl und in der Region ihren beruflichen Weg gehen wollen“, warnte der Landtagsabgeordnete, forderte aber auch: „Wer Zukunft möchte, der muss auch neue Arbeit zulassen.“
Thorsten Römer, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes Marl, betonte in seinem Vortrag die Wichtigkeit der Betriebsratsarbeit, die für die Menschen getan werde. Und er betonte: „Bildung ist kein Luxus, sondern Recht, entscheidet die Bildung doch maßgeblich die Zukunft der jungen Menschen. Wer gebildete junge Menschen möchte, der muss investieren, nicht irgendwann, sondern jetzt.“ Schließlich sei Deutschland ein reiches Land – Bildungsgerechtigkeit endet nicht am Schultor, sondern geht in die Ausbildung über. Würde in Deutschland mehr ausgebildet, wäre auch der Fachkräftemangel obsolet. „Wir brauchen eine Ausbildungsoffensive“, so Römer eindringlich. Zudem verteidigte der DGB-Funktionär den Acht-Stunden-Tag: „Hände weg vom Acht-Stunden-Tag und Hände weg vom Arbeitszeitgesetz.“
Keine Kommentare
Leave a comment
Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu hinterlassen.
