Buchvorstellung: Die Eisenzeit in Westfalen

Vest. Mit der ersten Gesamtdarstellung zur Eisenzeit in Westfalen schließt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eine Forschungslücke: 49 Fachwissenschaftler geben einen umfassenden Überblick über die Ereignisse in Westfalen vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis zur Zeitwende. Mit dabei: Herten.

Auf 264 Seiten ist, gemeinsam herausgegeben von der LWL-Archäologie für Westfalen und von der Altertumskommission für Westfalen, das elementare archäologische Wissen über die Entwicklung der Region mit der Entdeckung des Eisens enthalten. Interessierte können sich über die aktuellen Forschungsergebnisse informieren, finden Einblick in ein neu erarbeitetes Schema der chronologischen Zeitstufen der Eisenzeit in Westfalen und bislang unveröffentlichte Erkenntnisse älterer Ausgrabungen.

Im Mittelpunkt des Bandes steht mit der Eisenzeit eine der bedeutendsten Epochen der westfälischen Geschichte. Das neue Metall sorgte für große Umwälzungen. Der Mittelgebirgsraum wurde umfassend besiedelt. Hochspezialisierte Produktionszentren entstanden, strahlten über die Region hinaus eine neue Dynamik aus. Eine gegliederte Gesellschaft wurde greifbar. Die Spuren sind heute noch sichtbar, etwa dort, wo massive Befestigungen auf zahlreichen Bergen errichtet wurden und im heutigen Landschaftsbild noch als Wälle erkennbar sind. Westfalen und seine Bewohner traten über antike Schriftquellen erstmalig in das Licht der Geschichte. Zwischen Kelten und Germanen gelegen, entwickelte sich die Region als Teil einer der wichtigen kulturellen Grenzregionen Mitteleuropas unter vielfältigen Einflüssen weiter.

Eisenzeitliche Siedlung in Herten

Siedlungsweisen, Ernährung, Religion, Technologie und Handel sind Aspekte aus diesem Kapitel westfälischer Geschichte. Burgen, Kleidung, Waffen und Gräber: In der neuen Publikation gibt es vieles zu entdecken. Darunter befindet sich eine eisenzeitliche Siedlung aus Herten. Die Archäologen erforschten zwischen 1983 und 2009, wie die Menschen hier lebten. Mehr als 20 Speicherbauten wurden ausgegraben. Sie sicherten die Vorratshaltung der damaligen Bewohner. Die eisenzeitlichen „Westfalen“ lebten mit ihrem Vieh unter einem Dach in großen Wohnstallhäusern - auch hiervon konnten die Archäologen in Herten Spuren dokumentieren. Mehr als ein Dutzend Brunnen gewährleisteten die Wasserversorgung. Töpferöfen, Gebäude mit Webgewichten für die Textilherstellung kamen im Boden zum Vorschein und geben einen Einblick in das Alltagsleben. Eine Besonderheit waren die Werkgruben. Ihre Abmessung und Ausprägung führen zu einer Interpretation als Grubenhäuser - eine Bauform, die für die westfälische Eisenzeit bislang unbekannt war.

Das Buch ist in jeder Buchhandlung erhältlich. Es ist der inzwischen dritte Teil einer Publikationsreihe über die archäologischen Forschungen zu den Epochen in Westfalen. Erschienen sind bereits 2008 eine Publikationen über die Bronzezeit sowie 2013 über die Alt- und Mittelsteinzeit. Der Band zur Bronzezeit ist aufgrund der großen Nachfrage bereits vergriffen, steht aber auf der Homepage der LWL-Archäologie zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Westfalen in der Eisenzeit, Jürgen Gaffrey, Eva Cichy, Manuel Zeiler, 264 Seiten, 355 Abbildungen, 17,50 Euro

Samstag, 4. April 2015, 13:47 • Verfasst in Vest

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