Eine Königin für die Königin
Vest. Muttertag steht vor der Tür – das soll ein besonderer Tag werden. Wichtiger Bestandteil eines Feiertages ist auch das Essen. Was liegt da näher als für die Königin der Familie die Königin der Gemüse auf den Tisch zu bringen. Die Spargelernte auf den Feldern in der Ried jedenfalls läuft auf Hochtouren. Und für Landwirt Heiner Schulte-Scherlebeck steht fest: „Wir werden genug Spargel am Sonntag haben.“
Spargel - kaum ein anderes Gemüse lässt seine Liebhaber so sehr ins Schwärmen kommen. Für sie ist Spargel das „königliche Gemüse“, „Elfenbein zum Essen“ oder einfach „weißes Gold“.
Schon die alten Griechen wussten den Spargel zu schätzen. Allerdings nutzten Ärzte wie Hippokrates nicht die zartgrünen Spargelstangen, sondern trockneten die Wurzeln und gewannen daraus eine stark harntreibende Medizin. Für wohlhabende Römer aber war der Spargel ein wichtiger Bestandteil eines jeden Festmahls. So ist es nicht verwunderlich, dass bereits Cato der Ältere ca. 175 v. Chr. in seinem Buch „De agri cultura“ genaue Anbauverfahren des Grünspargels beschrieben hat.
Vermutlich waren die Römer und ihre Eroberungszüge auch dafür verantwortlich, dass der Spargel sich in Europa und damit in Deutschland so schnell ausbreiten konnte. Allerdings verbrachte er hier die nächsten Jahrhunderte vor allem in Klostergärten, wo ihn gelehrte Mönche wieder als Heilpflanze anbauten. In Deutschland wurde Spargel als Nahrungsmittel erstmals im Stuttgarter Lustgarten angebaut, und schon Mitte des 17. Jahrhunderts war der Spargel hier weit verbreitet. Aber seinen wahren Siegeszug begann das Gemüse erst Ende des 19.ten Jahrhunderts Immer mehr Bauern begannen nun, ihre Felder auf Spargelanbau umzustellen. Ebenfalls erst im 19. Jahrhundert wechselte der Spargel auch seine Farbe. War er vorher ausschließlich als Grünspargel angebaut worden, hatte man inzwischen den zarteren Geschmack des Bleichspargels kennen und schätzen gelernt und baute ihn in Deutschland nun fast ausschließlich „unter der Erde“ an. Dabei war man auf den Bleichspargel – wie so häufig bei guten Dingen - eher durch Zufall gekommen. Tonhauben über den Trieben, die eigentlich der Wärmespeicherung und dem Schutz vor Ungeziefer dienen sollten, hatten dazu geführt, dass der Spargel darunter bleich blieb. Das kultivierte man fortan, indem man über den Pflanzen Erde anhäufte und die Stangen unterirdisch schnitt.
Am 24. Juni (Johannistag) ist Schluss
Spargel ist eine einkeimblättrige Staude, die zur Familie der Liliengewächse gehört. Die Knospen sind die zum Verzehr geeigneten Spargelstangen. Sie sind solange weiß, bis sie aus dem Erdboden wachsen. Im Sonnenlicht verfärben sich die Spargelstangen zunächst ins Violette, um dann grün zu werden. Da die Pflanze sich regenerieren und verlorene Nährstoffe ins Wurzelwerk transportieren muss, ist für den Spargel die monatelange Ruhepause im Sommer und Herbst zwingend notwendig, sonst gibt es im nachfolgenden Jahr keinen neuen Spargel.
Spargelanbau ist ein langwieriges und mühsames Geschäft. Es erfordert einiges an Vorbereitung und Bodenkenntnis. Spargel lässt sich am besten auf leichten, sandigen Böden anbauen. Nun kommt die aufwändigste Arbeit: die Ernte. Der Spargelbauer und seine Erntehelfer müssen jeden Tag morgens und abends die Spargelreihen abgehen und schauen, ob eine Stange durch den Erdboden treibt. Das sieht der erfahrene Spargelernter an einem feinen Riss in der Erdoberfläche. Die Erde wird vorsichtig bis in 40 Zentimeter Tiefe von dem Spross entfernt und der Spargel dann mit einem speziellen Messer abgeschnitten. Anschließend wird die Erde wieder fein säuberlich in das entstandene Loch geworfen und mit einer Maurerkelle geglättet, damit auch der nächste heranwachsende Spross vor dem Austreten ans Licht entdeckt werden kann.
Mit dem 24. Juni (Johannistag) wird die Spargelernte beendet. Der Spargel muss ruhen um Kraft fürs nächste Jahr zu sammeln. In diesem Jahr fällt der Johannistag auf einen Sonntag. Das ist dann auch in der Ried definitiv die letzte Gelegenheit, frisch geernteten Spargel zu ergattern.
Zum Nachtisch am Sonntag empfiehlt Heiner Schulte-Scherlebeck „frische deutsche Erdbeeren.“
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