Loremo: Ein Sportwagen kehrt zurück

Vest. Es klebt seit drei Monaten ein unscheinbares Schild auf einem Briefkasten in Dorsten: Loremo. Jahrelang hatte der Name für Knistern unter Autofans gesorgt, nicht nur im Vest, sondern in der ganzen Republik: Loremo heißt ein innovatives Auto, technisch revolutionär, mit einem Auftritt wie ein Sportwagen und außerdem noch billig. Gebaut wurde es nie, das Geld ging aus, im Sommer 2010 brach die Loremo AG ihre Zelte in Marl ab.
Und jetzt ist sie wieder da. Zwar nicht so richtig, denn die neuen Büroräume liegen noch ungenutzt an der Barbarastraße in Dorsten. Aber in Luzern gibt es schon einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden, Bernd Link. Der ist fest davon überzeugt, dass Thomas Zollhoefer (seit vielen Jahren Entwicklungschef), jetzt endlich den Durchbruch schafft. Die AG hat bereits im Juli eine Kapitalerhöhung auf fünf Millionen Euro beschlossen. „Es wird aber schwer, das Geld einzusammeln“, weiß Bernd Link. Das war schon seit Jahren erfolglos.

„Wo sitzen die potenziellen Partner?“

Das Geld ist die Voraussetzung, dass an dem Auto weiter gearbeitet werden kann. Anders als in Marl, wo zwischen 2007 und 2010 auch an einem richtigen Auto geschraubt wurde, soll es in Dorsten jetzt nur um Büroarbeiten gehen. Wenn alles klar ist, wird ein Prototyp gebaut. Ob das in Dorsten ist, ist nicht klar. Auch wo einmal eine Kleinserie gebaut wird, ist eine strategische Frage: „Wo sitzen die potenziellen Partner“, fragt Link. Gebaut wird in Lizenz.
Eines ist schon jetzt klar: Es wird ein ganz anderes Auto sein als das, was in den früheren Jahren vorgestellt wurde. Link: „Die vorklappbare Front wird es auf keinen Fall geben.“ Wie sollte der Fahrer aussteigen, wenn das Auto auf dem Dach liegt? Die geschlossene Seitenscheibe mit der kleinen Schiebeluke gibt es nicht. „Da würde nicht einmal ein BigMac durchpassen.“ Die spartanische Innenverkleidung mit den dünnen aufgeklebten Teppichen auf den Wänden ist nicht zulässig und scheitert bei jedem Crashtest. „Komplett realitätsfremd“, so Bernd Link. Aber ein Hauch von Porsche ist denkbar, vielleicht Schiebe- oder sogar Flügeltüren. Und nur ein Elektroantrieb kommt in Frage.

Ein lackierer beschlagnahmte das Schauauto

Wer soll diese Neuentwicklung bezahlen? Ein siebenstelliger Betrag werde bald auf dem Tisch liegen, es gehe nur noch um „letzte Formalitäten“. Seit zweieinhalb Jahren kümmere sich Thomas Zollhoefer nicht mehr um die Fahrzeugentwicklung sondern nur um die „Beseitigung von Altlasten“ und den Aufbau neuer Strukturen.
Die alten konnten nicht mit Erfolgen glänzen. 2009 konnten sich Interessierte einen Loremo in Marl ansehen, leider ohne Motor. Dabei sollte gerade der so innovativ sein. Bis auf eine öffentliche Straße schaffte es kein einziges Fahrzeug. In großen Hallen in Marl-Frentrop wurde geschraubt – von bis zu vier Mitarbeitern. Im Juni 2010 kam der Auszug, die Neuma hatte gekündigt und blieb auf einer fünfstelligen Forderung sitzen. Ein Lackierer beschlagnahmte ein Schauauto, weil er kein Geld bekam (inzwischen hat er sein Geld). Die Firma zog sich nach Augsburg zurück.
Doch Loremo geriet nicht in Vergessenheit: Das NRW-Wirtschaftsministerium erinnerte sich, schon 640.000 Euro Fördermittel gegeben zu haben (von zugesagten 2,3 Millionen). Dafür hätte die Firma bis Ende 2011 in NRW aktiv sein müssen. War sie nicht, also forderte sie das Geld zurück. Loremo habe dagegen geklagt, so die Auskunft des Ministeriums.
Bernd Link ist überrascht: Die Loremo AG sei doch immer in Marl ansässig gewesen. Und von einer Rückforderung sei ihm, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, überhaupt nichts bekannt.
Müsste es zurückgezahlt werden, dann wäre das ein schwerer Rückschlag für das Projekt Loremo.

Monday, 9. January 2012, 10:09 • Verfasst in Vest

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