Das geliehene Kaninchen hoppelte durch den Hof
Haltern (rk). Ostern in den 30er Jahren: Es gab keinen Fernseher, eine Zeitung hatte kaum jemand, Kohleöfen waren üblich.
Maria Oenning aus Haltern erinnert sich: „Es war 1939. Ich war zehn Jahre alt und das siebte von zehn Kindern. Mein Vater hatte Holzwolle besorgt, daraus haben wir Kinder Osternestchen geformt, damit der Hase die Eier dort hineinlegen konnte.“ Ihre Eltern seien beide katholisch und sehr religiös gewesen, und das Osterfest habe mit dem Gottesdienst begonnen. In den Nestern hätten am Ostersonntag gekochte weiße Eier gelegen. Bunte Eier waren noch unbekannt. Auch habe es kleine Zuckereier gegeben.
„Mein Vater hatte sich von einem Nachbarn ein Kaninchen ausgeliehen, das hoppelte auf dem Hof als Osterhase zwischen den Nestern herum“, so die heute 81-Jährige, die damals im Blombrink nahe der Sixtuskirche wohnte. „Wir Kinder haben uns etwas mit dem ‚Hasen’ amüsiert, dann wurde er wieder zurückgebracht.“ Am Ostersonntagnachmittag gab es immer Kaffee und Kuchen.
Als Besonderheit durfte sich abends jeder eine Eierspeise wünschen. „Blinder Fisch“ war dann der Renner: „Das war eine in Milch eingelegte Weißbrotscheibe, die in der Pfanne gebraten wurde. Darüber wurde dann ein Ei geschlagen und auch gebraten“, erinnert sich Maria Oenning, wie ihre Mutter ihren Wunsch erfüllt.
„1953 habe ich selber für meinen ältesten Sohn Peter die ersten Eier bunt gemalt. In das Osternest kam gekauftes Gras.“ Das Nest enthielt auch ein Schokoladenhäschen, rund herum lagen die bunt bemalten Eier.
Ehemann Wilhelm Oenning erinnert sich an seine Oster-Erlebnisse: „In meiner Jugend in den 30er Jahren war es üblich, dass in den Nachbarschaften am Ostersonntagabend ein Osterfeuer angezündet wurde“, so der 83-Jährige. „Die Nachbarn hielten dann ihr ‚Prölken’, es wurde viel erzählt.“
Heimatforscher Franz Luermann erinnert sich an Ostern der 50er-Jahre: „Meine Frau und ich haben für unsere beiden Kinder selbst die Eier bunt bemalt. Alle zehn Eier kamen von einem Bauernhof.“ In der Drogerie konnte man auch fertige Muster kaufen. Sie wurden in heißes Wasser gelegt und dann aufgeklebt. Schokoladeneier seien früher in Folien eingepackt gewesen. „Am Ostermorgen haben wir die Eier versteckt. Als die Kinder wach waren, stürzten sie in den Garten“, so der 84-Jährige. Bei Ostersonntagsspaziergängen nachmittags im Sundern wurden auch noch einige Eier gefunden, die wohl jemand vergessen hatte. Zu Ostern hatte seine Frau immer viel zu tun, unter anderem mit dem Kochen des Festtagsbratens. Bekannt waren damals auch schon fertige Osterhasen aus Pressstoff. „Bunt bemalt und mit einer Kiepe auf dem Nacken.“
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