Nach der Gluthitze kam das Unwetter

15-Jährige lebensgefährlich verletzt – Dorsten schwer betroffen


Auf dem Hausdach (und im Wohnzimmer) der Eheleute Loessel in Dorsten-Hervest landete eine Eiche, Foto oben und unten.

NRW/Kreis (dug). Nach der Gluthitze am Wochenende sind heute Unwetter mit Blitz, Donner, Regen und Sturmböen über weite Teile Deutschlands hinweggefegt. Die hochsommerliche Hitzewelle mit sengender Sonne und krachenden Gewittern machen den Menschen und jetzt auch der Bahn schwer zu schaffen. Umstürzende Bäume brachten den Zugverkehr auf weiten Strecken in Nordrhein-Westfalen fast komplett zum Erliegen. Heftige Sturmböen wüteten am Montag im ganzen Land und bescherten den Rettungskräften Hunderte Einsätze. Vielerorts wurden Dächer abgedeckt, Bäume entwurzelt und Menschen von umherfliegenden Gegenständen verletzt.

In Wesel stürzte ein Ast auf drei Fahrradfahrer. Hierbei wurde eine 15-jährige Weselerin lebensgefährlich verletzt. In Bonn begrub ein 20 Meter langer Bauzaun Passanten unter sich, in Herne wurde ein 45-jähriger Bauarbeiter schwer verletzt, als eine Orkanböe eine kurz zuvor errichtete Seitenmauer eines Rohbaus zum Einsturz brachte und den Mann unter sich begrub.

Auf der Bochumer Straße in Recklinghausen wurde ein Kleinwagen von einem umstürzenden Baum getroffen. Der Besitzer hatte Glück, da sein Fahrzeug nur von der Krone getroffen wurde, blieb das Auto unbeschädigt. Auch Menschen wurden nicht verletzt.

In Niedersachsen wurde eine Frau von umherfliegenden Ästen erschlagen. Auf der Hochseeinsel Helgoland wurden elf Menschen auf einem Zeltplatz zum Teil schwer verletzt, die meisten Zelte zerstört.

Dunkle Wolken mit kräftige Windböen zogen ebenfalls über das Dorstener Stadtgebiet. Dabei wurden im gesamten Stadtgebiet zahlreiche Äste abgerissen oder Bäume entwurzelt. Die Dorstener Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften aus und fuhr Dutzende von Einsätzen im Laufe des Nachmittages.

Riesiges Glück hatte Maria Loessel auf der Glück Auf Strasse in Dorsten-Hervest. Sie räumte gerade das Wohnzimmer auf, als eine dicke Eiche in ihren Garten stürzte und durch das Wohnzimmerfenster krachte. „Ich war gerade dabei alles für eine Feier vorzubereiten, als ich nur noch einen heftigen Knall hörte und die Äste hier neben mir lagen“, so die Hausfrau. Gemeinsam mit ihrem Mann und der Feuerwehr wurde dann der Baum aus dem Haus entfernt.

Nebenan krachten weitere Bäume auf Häuser und Wege. „Hier ist eine richtige Windhose durchgezogen, das ging alles ganz schnell, danach war es wieder ruhig“, berichtet Maria Loessel weiter.

Die Frankenstrassen in Dorsten-Wulfen musste in Richtung Lippramsdorf für den Verkehr gesperrt werden. Hier waren über zehn Bäume umgestürzt und blockierten die Fahrbahn vollständig. Eine Stromleitung wurde mit herunter gerissen.

Auf dem Wesel-Datteln-Kanal hat ein Schiff mehrere Ladeluken verloren, die der Sturm dann in ein nahe gelegenes Waldstück schleuderte. Dabei wurde eine Laterne getroffen, die abknickte.

Nach massiven Kühltechnik-Problemen in überhitzten ICE am Wochenende will der bundeseigene Konzern die Kälteanlagen besonders überprüfen. Auch die Bundespolizei und das Eisenbahn-Bundesamt nahmen Ermittlungen auf. Eine Schule, deren Schüler in einem der ICEs unterwegs war, will Schadenersatz fordern.

Die Gewitter bringen übrigens nur eine kurze Abkühlung. Nach einer Verschnaufpause am Dienstag steigen schon am Mittwoch die Temperaturen wieder über 30 Grad.


Wie Streichhölzer abgeknickt wurden stellenweise selbst dicke Bäume, die wie hier Straßen oder Wege blockierten.
Fotos: Bludau/Schulmann

Monday, 12. July 2010, 21:29 • Verfasst in Vest

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