Das „Loslassen“ fällt den Verwaltungen schwer
Kreis. Es ist eine tolle Gelegenheit für eine vorbildliche Verwaltungs-Zusammenarbeit: In Dorstens Stadtverwaltung fehlt ein Amtsleiter, in Marls Stadtverwaltung ein Fachmann. Doch die Dorstener Politiker sind aufgebracht. Sie wollen keine Zusammenlegung der beiden Rechnungsprüfungsämter. Wieviel geht eigentlich im Kreis, wenn die viel beschworene Zusammenarbeit in die Praxis umgesetzt werden soll?
So richtig tiefgreifend ist sie in Haltern nicht: Es gibt eine gemeinsame Volkshochschule mit Dülmen und Havixbeck. Alle Beteiligten sind so zufrieden, dass nun ein gemeinsames Jugendsinfonieorchester gegründet wurde. Den Winter-Streudienst stimmt man mit Recklinghausen ab.
Recklinghausen stellt für Herten, Oer-Erkenschwick und Marl den Umweltbrummi zur Verfügung, mit Herten und Marl teilt man sich die mobile Verkehrsüberwachung, mit Herten kooperiert man in der Wirtschaftsförderung.
Herten verweist unter anderem auf das gemeinsame Tierheim mit Recklinghausen, auf den Landschaftspark Emscherbruch.
Dorsten hat außerordentlich gute Erfahrungen mit dem Industriepark gemacht, den man gemeinsam mit Marl betreibt. Aber auch schlechte Erfahrungen: Der gemeinsame Bücherbus mit Marl und Recklinghausen fuhr nach der ersten Reparatur nicht weiter. Die Idee eines gemeinsamen Zentralen Betriebshofes mit Marl kam über die Idee nicht hinaus.
Marl sieht sich mit seinem neuen Bürgermeister auf einem neuen Weg. Es hat bereits eine gemeinsame Sitzung der Verwaltungs-Vorstände von Herten und Marl gegeben. In den letzten Jahren die Nachbarstädten Zurückhaltung geübt: Marls Ex-Bürgermeisterin Uta Heinrich galt als wenig kompromissbereit.
Jetzt also der neue, große Schritt: Dorsten (mit einem CDU-Bürgermeister) und Marl (mit einem SPD-Bürgermeister) kdenken über die Zusammenlegung eines Amtes nach. Die Dorstener Politiker sind erst einmal spontan dagegen: Ihre Verwaltung solle den Sparauftrag der Bezirksregierung anders lösen. Es geht um 30.000 Euro, die man einsparen könnte. In Marl hofft man, dass die Vorbehalte doch noch überwunden werden.
Am Geld ist übrigens schon eine andere Zusammenlegung gescheitert: Haltern wollte sein Ausländerwesen von Dorsten verwalten lassen. Das macht die Kreisverwaltung. Dorsten wollte sich den Dienst bezahlen lassen, die Kreisverwaltung wollte aber die Halterner Umlage deshalb nicht absenken.
Während die Politiker energisch vorbehaltloses Nachdenken und Sparen fordert, zucken sie zurück, wenn es an das Umsetzen geht. In Sachen Rechnungsprüfungsamt kam ihnen nach aller Aufregung das Gesetz zu Hilfe: Jede Stadt muss ein eigenes Amt haben, das steht bereits in der Gemeindeordnung, war aber wohl in der Hektik übersehen worden.
Und ein modellhaftes Zusammenlegen von Dorsten und Marl wäre ein Schuss nach hinten gewesen: Denn das Amt hätte ein Dutzend Mitarbeiter haben müssen (weil die Städte zusammen 160 000 Einwohner haben), heute sind es nur 8,5 Stellen. Man wolle „niederschwellig“ weitermachen, kündigte die Marler Verwaltung an.
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