Grüne Kapriolen erschüttern Marl
Marl. Der Kreis Recklinghausen legt sich ein neues „Grün“ zu. Und das ist politisch gemeint: Jetzt ist nur noch Datteln ohne einen eigenen Ortverband der Bündnis-Grünen. Oer-Erkenschwick und Datteln gründeten sich nach internen Querelen neu. Aber in Marl kracht es derart heftig zwischen Alt-Grünen und Neu-Grünen, dass Juristen inzwischen eingeschaltet wurden. Und es sieht ganz danach aus, als müsste sich die vor 30 Jahren gegründete „Wählergemeinschaft Die Grünen“ demnächst von ihrem Namen trennen.
Jahrzehntelang war eine verzwickte Nahtstelle nicht beachtet worden: Die Wählergemeinschaft war ein Verein, von denen die meisten Mitglieder zugleich Mitglieder der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ sind. Der Verein trat in Marl an, die Partei ab Kreisebene aufwärts.
Das Gesicht der Marler Partei sind dessen Gründungsmitglied Paul Wagner und Fraktionsgeschäftsführer Johannes Westermann. Ex-Lehrer Wagner ist mit scharfsinnigen Analysen ein einflussreicher Politiker. Und das seit 30 Jahren. Nun müsse er aber dem Nachwuchs weichen, drängten Bündnis-Grüne-Politiker im Hintergrund. Ergebnis war die Gründung eines Marler Ortsverbandes. Alle Versuche, den Verein und die Partei zusammen zu bringen, schlugen fehl, führten zu Verhärtungen und immer heftigeren Konfrontationen.
Der Verein schloss die Mitglieder aus, die sich für die Partei aufstellen ließen, die Partei sah bei den Mitgliedern eine Kündigung, die sich für den Verein aufstellen ließen. Birgit Sandkühler verließ die Grüne-Fraktion im Rat. Johannes Westermann lehnte es ab, als Bürgermeisterkandidat für die Partei anzutreten, ließ sich dann aber für den Verein aufstellen. Dort kämpfen Werner Eisbrenner und Ex-Pastor … wortstark gegen die Neugründung. Nicht alle Wörter können unbedenklich in der Öffentlichkeit wiederholt werden.
Der Verein sieht aber auch, dass es eng wird: Finanzielle Unterstützung vom Landesverband wird es nicht mehr geben. Die ohnehin geringe Zahl der Mitglieder droht weiter zu schrumpfen. Der Internet-Auftritt wurde bereits aus dem Netz gestrichen, weil die Partei ihn an sich zieht. Die Folge: Die „Wählergemeinschaft Die Grünen Marl“ ist nicht mehr im Netz zu finden.
Es könnte noch schlimmer kommen. Mittlerweile haben „Bündnis 90/Die Grünen“ ihre Kandidaten beim lokalen Wahlamt angemeldet. Erst vor wenigen Tagen hat die „Wählgermeinschaft Die Grünen Marl“ ihre Kandidaten ermittelt. Jetzt muss sie damit rechnen, unter diesem Namen nicht antreten zu können – wegen Verwechslungsgefahr.
Ohnehin „gehören“ die Parteinamen „Die Grünen“ und „Grüne“ der Bundespartei, so dass die Marler Alt-Grünen damit rechnen müssen, ihren „Markennamen“ zu verlieren.
Inzwischen haben Marler „Grüne“ wichtige Funktionen eingenommen: Michael Sandkühler ist Kreisvorstandsprecher, seine Frau Birgit Sandkühler ist Spitzenkandidatin ihrer Partei. Seine Tochter Katharina Sandkühler ist Vorstandssprecherin der Marler Bündnisgrünen.
Die Spitze der Marler Wählergemeinschaft hat sich inzwischen an die Bündnisgrünen in Haltern gewandt, Paul Wagner und Johannes Westermann wollen dort Mitglied werden. Doch seit sie bekannt gegeben haben, dass sie für den Marler Rat kandidieren, geht das nicht. Die Bündnis-Grünen werten das als Austritt (auch bei zwei weiteren Kandidaten). Das bekommen sie auch noch schriftlich.
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