Bahnhofs-Aufzug scheitert an Bürgermeisterin
Marl (eib). Seit Jahren sticheln CDU und SPD gegeneinander: Wer setzt sich länger und besser dafür ein, dass der Bahnhof in Sinsen aufgewertet wird? Seit Jahren scheitern die Politiker an den unerklärbaren Organisationsstrukturen der Deutschen Bahn. Seit eineinhalb Jahren nun hat Marl endlich den Erfolg in der Hand. Doch die Bürgermeisterin will nicht, dass der ersehnte Aufzug gebaut wird. Weil sie gegen einen Mobilitätsservice am Bahnhof ist.
950.000 Euro kostet der Aufzug, der die uralte steile Treppe ersetzen soll. 791.000 Euro würde die Bahn bereitstellen. 157.000 müsste Marl aufbringen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Waltraud Lehn wusste auch einen Weg, wie man der klammen Stadt helfen konnte. Sie kannte das Bundesprojekt „Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben“, mit dem das Bundessozialministerium Arbeit und Soziales die „Aktion Psychisch Kranke“ stärken will. In der Praxis sollte das die Awo-Tochter Rebeq oganisieren, die neben dem Bahnhof schon eine Fahrradstation betreibt.
Bürgermeisterin und Rebeq kamen zu dem Ergebnis, ein solches Projekt sei unverantwortlich gegenüber den behinderten Menschen (die älteren Menschen auf kurzen Zugfahrten behilflich sein sollen). Sie lehnten im April 2007 den Plan ab und zogen den Förderantrag wieder zurück.
Das Ministerium staunte über die Leichtfertigkeit, auf so viel Geld zu verzichten. Der Rat, der im Herbst 2007 über die Absage informiert wurde, empörte sich: Die Bürgermeisterin könne das nicht einfach an den Bürgern vorbei entscheiden. Deshalb der Ratsbeschluss: Die Mobilitätszentrale kommt und damit auch der Aufzug. Der Antrag an das Ministerium solle wieder aufleben.
Das soll auch so geschehen sein, erfuhren kürzlich die Politiker im Sozialausschuss. Seitdem habe es aber erstaunlicherweise keine Reaktion mehr aus dem Ministerium gegeben. Seit elf Monaten. Was ist passiert?
Die Stadt mache sich lächerlich, konstatierte der Ausschussvorsitzende Werner Arndt (SPD). Und Dietlind Gull (CDU) sorgte sich, die Pleite würde die Bevölkerung doch den Politikern anhängen. Dabei habe die ganze Sache doch einzig in den Händen der Bürgermeisterin gelegen. Böse Worte fand der Ausschuss gleichwohl nicht: Man war so fassungslos, dass den Anwesenden keine Worte einfielen, die man auch in der Öffentlichkeit benutzen darf.
2 Kommentare:
frankulrich schrieb,
Comment • 9. January 2009 @ 9:13
Für die CDU und die SPD in Marl gibt es nur eine “Hexe”, die an allem Schuld ist; egal was. Wenn es möglich wäre, würden diese beiden im Rat der Stadt Marl noch großen Parteien auch dieser “Hexe” die Schuld am Wetter, dem vielen Schnee, der Dauerkälte, den Ölpreisen, den Gas-Lieferproblemen usw. geben. Diese noch großen Parteien sind ja erfinderisch. Bald ist die Wahl. Schade, dass wir keine 5% Klausel bei der Kommunalwahl mehr haben. An dieser Klausel würden die noch großen Parten nämlich kläglich scheitern !
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volkegge1 schrieb,
Comment • 3. January 2009 @ 23:16
Was heißt hier “Bürgermeisterin ist schuld”. Entweder ich will als Stadt einen derartigen Aufzug, dann will ich auch das Personal bezahlen oder ich muß mich mit der Rebeq eingen. Wenn die nicht wollen…..dann kann man daran nix ändern. Also bitte keinen Wahlkampf…