Der Kreis: Er ist kleiner als gedacht
Vest. Da kann man sich nur noch verwundert die Augen reiben: Marl hat tatsächlich an die 2.500 Einwohner weniger (nur 84.782) und Oer-Erkenschwick rund 700 Einwohner mehr (nämlich 30.861) als die Stadtverwaltungen selber ermittelt haben. Das ist das Ergebnis der Volkszählung von 2011. Und das hat Folgen: Die Landes-Zuweisungen werden neu berechnet.
Im Durchschnitt ist die Abweichung im Kreis 1,2 Prozent (weniger) und damit noch besser als der Landesschnitt von 1,7 Prozent. Der Kreis hat danach 619.382 Einwohner und bleibt größter Kreis in Deutschland.
Deutlich weniger Einwohner als selbst errechnet hat Marl. Es sind tatsächlich 84.782. Selber hatte Marl rund 2.500 mehr ermittelt (2,9 Prozent). Recklinghausen kommt auf 115.985 (1,7 Prozent weniger), Haltern auf 37.315 (ein Prozent weniger), Herten auf 61.505 (0,7 Prozent weniger). Dorsten ist die zweite Stadt im Kreis, die tatsächlich mehr hat: 76.860 (0,4 Prozent mehr).
Die Bevölkerungsstatistik ist keine theoretische Spielerei. Die Daten sind „Hauptansatz“ im Gemeindefinanzierungsgesetz. Danach werden die Landeszuweisungen an die Städte errechnet. Der Kreis bekommt in diesem Jahr 323,6 Millionen Euro. 1,2 Prozent weniger würden 3,4 Millionen für die Kreisstädte bedeuten. Am härtesten betroffen wäre Recklinghausen, das auf 1,3 Millionen seiner 77,9 Mio verzichten müsste. Bei Marl (23,9 Mio.) wären es immerhin fast 700.000 weniger. Herten müsste auf 27.000 Euro verzichten (von 37 Mio), Haltern auf 5.200 Euro und Dorsten bekäme immerhin 14.160 Euro mehr.
Marls Kämmerer Michael Dinklage warnt allerdings vor dieser einfachen Rechnung. Wie sich das Auf und Ab in den Städten des Landes auswirke, lasse sich so nicht voraussagen. Gespannt warten die Städte auf die Modellrechnung des Landes.
Noch mehr sparen, darin sieht sich Dinklage in einer Linie mit den Kämmerern der anderen überschuldeten Städte, ist einfach nicht drin. Das Land soll mindestens eine Übergangsmöglichkeit gewähren.
Zeit zum Nachdenken bleibt. Denn für dieses Jahr sind die Zahlungen schon festgelegt. Die möglichen Kürzungen kommen erst ab 2014.
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