Herten will demnächst fair sein

Herten. Die Werbung redet uns ein, dass man blöd ist, wenn man nicht nach dem niedrigsten Preis für eine Ware trachtet. Aber es gibt auch eine Sehnsucht nach mehr Gerechtigkeit. Vielleicht entscheidet die künftig sogar Wahlen. In jedem Fall spielt sie eine zentrale Rolle in dem Teil des globalen Handels, der sich „fair“ nennt.

Dass solche Gedanken auch in Herten in Zukunft stärker im Bewusstsein der Konsumenten sind, dafür setzt sich eine von Kirchengemeinden getragene Initiative ein, die Herten zu einer „Fair-Trade-Stadt“ machen will. Weltweit gibt es bereits zahlreiche Kommunen, in Deutschland sind es schon über 100 Städte und Kreise, die die fünf Kriterien des Vereins „Transfair e.V.“ erfüllen und sich mit dem Qualitätssiegel einer „Fair-Trade-Town“ schmücken können.

Es geht darum, den Menschen in den ärmeren Teilen unserer Welt einen angemessenen Preis für Kaffee oder Tee, für T-Shirts oder Fußbälle zu bezahlen. Preise, die zum Überleben reichen, für Gesundheitsfürsorge und die Ausbildung der Kinder.

Herten, wie gesagt, ist auf dem Weg. Ein entsprechender Ratsbeschluss ist in Vorbereitung. Eine Liste mit mindestens 13 Einzelhandelsgeschäften, in denen faire Produkte verkauft werden, wird gerade zusammengestellt. Notwendig sind auch sieben Cafés, Restaurants oder Bistros, die wenigstens zwei fair gehandelte Produkte - zum Beispiel Kaffee und Tee - auf ihrer Karte führen.

Schulen, Vereine und Kirchengemeinden betreiben Bildungsarbeit, um den Gedanken des fairen Handels zu verbreiten. Übrigens: Recklinghausen, Waltrop und Castrop-Rauxel tragen das faire Siegel schon, Gelsenkirchen steht kurz davor.

Derweil werfen Ereignisse wie der tragische Zusammenbruch einer Textilfabrik in Bangladesch Schlaglichter darauf, wie eng unser Verhalten als Käufer und die elende Situation der Produzenten in Asien, Afrika oder Südamerika zusammenhängen: T-Shirts können Textil-Discounter hier nur für 4,99 Euro oder noch weniger anbieten, weil die Näherin in Bangladesch mit 10 Cent pro Stück entlohnt wird - zu wenig, um davon sich und die Familie durchzubringen.

Gleiches gilt für den Kaffee, den viele von uns jeden Morgen brauchen, um in den Tag zu starten. Genau da setzt die Initiative an, die bis zum Herbst das angestrebte Siegel für Herten erreichen möchte.

Saturday, 8. June 2013, 13:00 • Verfasst in Herten

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