Nach der Gluthitze kam das Unwetter
NRW/Kreis (dug/eib). Die Damen waren kurz und heftig. Und sie hinterließen Spuren der Verwüstung in fast allen Vest-Städten. Ihre Name: Norina und Olivia. Ihre Funktion: Sturmtief. Seit Tagen sind die Mitarbeiter der Städte in Höchstbereitschaft. Sägen, Fällen, Häckseln.
In Marl müssen 200 Bäume gefällt und 500 nachbearbeitet werden. Statt der ursprünglich für dieses Jahr eingeplanten 10.000 Euro wird der zehnfache Betrag zur Beseitigung von Sturmschäden gebraucht.
In Herten wurden 300 bis 400 Bäume beschädigt. 36 Mitarbeiter wurden mit vier Hubsteigern und sechs Häckslern los geschickt, um beschädigte Bäume zu beseitigen – als erstes in der Nähe von Schulen und Kindergärten. Das Holz wird eingesammelt und aus logistischen und Sicherheitsgründen geschreddert.
Nach der Gluthitze waren mehrfach in der zurückliegenden Woche Unwetter mit Blitz, Donner, Regen und Sturmböen über weite Teile Deutschlands hinweggefegt. Die hochsommerliche Hitzewelle mit sengender Sonne und krachenden Gewittern machte den Menschen und auch der Bahn schwer zu schaffen. Umstürzende Bäume brachten den Zugverkehr auf weiten Strecken in Nordrhein-Westfalen fast komplett zum Erliegen. Heftige Sturmböen wüteten im ganzen Land und bescherten den Rettungskräften Hunderte Einsätze.
In Wesel wurde eine 15-jährige Radfahrerin von einem herabstürzenden Ast lebensgefährlich verletzt. In Herne brachte eine Orkanböe eine kurz zuvor errichtete Seitenmauer eines Rohbaus zum Einsturz und begrub einen 45-jährigen Bauarbeiter unter sich. Auf der Bochumer Straße in Recklinghausen wurde ein Kleinwagen von einem umstürzenden Baum getroffen. Der Besitzer hatte Glück. Nur die Krone traf das Auto, es blieb unbeschädigt. Auch Menschen wurden nicht verletzt.
Riesiges Glück hatte Maria Loessel auf der Glück-Auf-Straße in Dorsten-Hervest. Sie räumte gerade das Wohnzimmer auf, als eine dicke Eiche in ihren Garten stürzte und durch das Wohnzimmerfenster krachte. „Ich war gerade dabei alles für eine Feier vorzubereiten, als ich nur noch einen heftigen Knall hörte und die Äste hier neben mir lagen“, so die Hausfrau. Gemeinsam mit ihrem Mann und der Feuerwehr wurde dann der Baum aus dem Haus entfernt.
Nebenan stürzten weitere Bäume auf Häuser und Wege. „Hier ist eine richtige Windhose durchgezogen, das ging alles ganz schnell, danach war es wieder ruhig“, berichtet Maria Loessel weiter.
Die Frankenstraße in Dorsten-Wulfen musste in Richtung Lippramsdorf für den Verkehr gesperrt werden. Hier waren über zehn Bäume umgestürzt und blockierten die Fahrbahn vollständig. Eine Stromleitung wurde mit herunter gerissen.
Infolge von Starkregen waren viele Straßen und Wege überflutet worden, nachdem Laub und Äste die Gullys verstopft hatte. Die betroffenen Gullys mussten von den Einsatzkräften zunächst gefunden und dann frei gemacht werden.
Der nächste Sturm ist für Samstagabend angekündigt. Davor wird es aber ein herrliches Sommerwetter geben. Wenn Sie die Namen Petra und Quendeline hören! Achtung! Das sind die Namen der nächsten beiden Tiefdruckgebiete.
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