Die lebendige Stadtmitte stört manche Anlieger
Dorsten. Es ist der Mittelpunkt der Stadt. Und es soll der „ruhende“ Pol sein. Das meinen manche Anlieger wörtlich: Ab 22 Uhr hat die gesetzliche Nachtruhe auf und um den Marktplatz zu herrschen. Jetzt haben (schon wieder) die Gastronomen ihren Stress, weil sie die Gefühle ihrer Gäste nicht unter Kontrolle haben.
Ob die Geschichte so stimmt, wie sich die fröhlichen Dorstener erzählen, ist eigentlich egal: Im Außenbereich eines Gastronomiebetriebes lachte eine lustige Damenrunde über einen Scherz. Und anschließend gab es eine Beschwerde wegen ruhestörenden Lärms.
Zu Recht, monierten Ruhebedürftige. Regel sei Regel. Wer seinen Schlaf brauche, der könne nicht mal ein paar Wochen verzichten. Nur weil das Wetter so schön sei.
Jahrzehntelang war die ohnehin stille Innenstadt immer stiller geworden: Gaststätten gaben auf, der Marktplatz, Dorstens „gute Stube“ wurde zum Ort absoluter Ruhe.
Das war nicht immer so. Noch in den 60er Jahren wurde beispielsweise die ganze Nacht durchgesungen bei einem Weinfest auf dem Marktplatz. Die ersten Altstadtfeste fesselten gutgelaunte Trinker bis in den frühen Morgen. Bis sich ein Anwohner auf Nachtruhe berief und das ganze Fest zu scheitern drohte. Obwohl er auf das Angebot verzichtete, für ein paar Tage in bezahlten Urlaub zu gehen, konnte doch eine Lösung für das Fest gefunden werden.
Aber im der Rest des Jahres lag der Markt im Dornröschenschlaf. Bis in den letzten Jahren Schritt für Schritt die Atmosphäre von der Jugend entdeckt wurde. Inzwischen sind an lauen Sommerabenden alle 200 Plätze der Straßencafes auch noch nach 22 Uhr besetzt.
Eigentlich kein Problem, denn ruhige Außengastronomie ist bis 24 Uhr erlaubt. Wobei „ruhig“ durchaus eine interpretierbare Bandbreite ist. Wenn sich keiner gestört fühlt, ist es ruhig. Und wenn 200 Gäste gutgelaunt nach einem wunderbaren Fußballabend einen deutschen Sieg feiern, kann es „unruhig“ werden.
In der Stadtverwaltung zeigt man sich lebensnah: Mitten im Stadtzentrum sei absolute Ruhe nicht in jeder Sekunde durchzuhalten.
Jahrelang war ein abendlich ausgestorbenes Stadtzentrum das Schreckgespenst. Kaum hat die gegenteilige Entwicklung eingesetzt, ist die „gespenstige“ Stille der Wunsch mancher Bürger.
Im Augenblick suchen alle Seiten nach dem Augenmaß, mit dem alle Interessen unter einen Hut gebracht werden können. Dass eine „lebendige Stadt“ auch spürbar bleibt, werden die ruhebedürftigen Anlieger kaum verneinen können.
Was nicht mit einer Lärmplage zu verwechseln ist.
1 Kommentar:
Leave a comment
Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu hinterlassen.


Kumpel schrieb,
Comment • 10. July 2010 @ 15:01
Wenn Menschen in die Innenstadt ziehen um so schön zentral zu wohnen und alles vor der Nase zu haben, dann muß ich anderen Menschen, die gern mal im Biergarten und im Restaurant draussen sitzen möchten, diese Freiheit auch zugestehen . Ich bin selbst “KEIN” Kneipen- oder Biergartengänger aber bei uns in Deutschland fehlt leider die Tolerantz anderen Menschen gegenüber, egal in welcher hinsicht.
Euer Kumpel