Wenn der schöne Ausblick zur Arbeit wird
Haltern. Heinrich Wölki hat einen herrlichen Überblick über die Haard: In 39 Meter Höhe kann er an schönen Tagen bis tief ins Ruhrgebiet schauen. Doch der Blick ist kein „Genuss“, er ist „Arbeit“. Heinrich Wölki sitzt in seiner Kanzel im Feuerwachturm Galgenberg und beobachtet. Jeden Tag acht Stunden lang, ein halbes Jahr lang und das bereits seit 20 Jahren.
Es ist kein Job für Genießer, es ist einer mit Verantwortungsbewusstsein, Ausdauer und Flexibilität. Von April bis September klettert Heinrich Wölki Tag für Tag die 197 Stufen seines Feuerwachtrums hinauf. In seiner Kanzel ist es vor Wind und Kälte geschützt, nicht aber vor der Sommerhitze.
Genau sie ist das Problem. Nicht nur für Heinrich Wölki, besonders für den Wald. Fünf Feuerwachtürme betreibt der RVR (Regionalverband Ruhr): Rennberg, Kiebitzberg und Fahrenberg in der Haard, Galgenberg in der Hohen Mark sowie eine Feuerwachkabine auf der Halde Haniel in Bottrop.
Seit 1978 habe es keine nennenswerten Waldbrände mehr gegeben, so der RVR. Doch in den letzten 200 Jahren hat auch das Feuer die Landschaft verändert. Um 1800 wurde die Haard in Reiseberichten noch als wüstenartige, baumlose Ödnis bezeichnet. Ende des 19. Jahrhundert erforderte der Steinkohleabbau eine Waldbewirtschaftung: Das Holz wurde in der Grube gebraucht. Waldbrände führten mithin zu wirtschaftlichen Verlusten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde deshalb der erste Feuerwachturm auf dem Rennberg aufgestellt. Aufzeichnungen des damaligen Försters Linke belegen, dass bereits 1904 eine Telefonleistung zu diesem Turm führte.
Zwischen 1946 und 1970 wurden immerhin noch 247 Waldbrände gezählt, denen 15 Prozent der Waldfläche zum Opfer fiel. Fahrlässige Besucher sorgten bei trockenem Wetter immer wieder für Waldbrände.
Inzwischen wurde viel getan. Neben den Wachtürmen gibt es Brandschneisen (für eine schnellere Erreichbarkeit), Druckrohrleitungen mit vielen Hydranten und mehr Laubbäume im Tannenwald.
Und eben das menschliche Auge. Heinrich Wölki steht von April bis September auf Abruf bereit. Je nach Wetterlage muss er zum Gelgenberg und die Stufen zu seiner Kanzel hoch. Oder eben zu seiner Hausmeistertätigkeit auf dem Forsthof Heidhof.
In luftiger Höhe schweift sein Auge über die Wälder, bisweilen reicht die Sicht bis Kamen oder bis Duisburg. Ablenkung gibt es für das Auge nicht: Kein Fernsehen, kein Buch. Nur Radio ist erlaubt. Das ist ja auch für die Ohren.
Abwechslung bringen ihm die täglichen Besucher, denen er den Blick über die Landschaft erläutert. Für Aufregung sorgt bisweilen Vandalismus. Deshalb ist der Turm auch zweitweise abgeschlossen. In seinen 20 Feuerwächter-Jahren (die ersten 18 auf dem Turm Rennberg) hat Heinrich Wölki aber noch keinen größeren Brand melden können.
Für diesen höchsten Notfall blieb die Telefonleitung still. Und ohne Leitung geht bei ihm gar nichts. Handy-Kontakt gibt es nicht, der Turm steht in einem Funkloch.
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