Vom Gebrauchsgegenstand zum Museumsstück
Herten (mc). „Ich bin Fahrradfahrerin des Monats. Autogramme gibt´s später“, jubelt Andrea Renker ihrem Nachbarn zu. Der hatte aufgrund des ungewöhnlichen Treibens im Garten der Familie Renker ein Auge riskiert. „Watt denn, wegen der fünf Kilometer, die du täglich fährst?“, grummelt der Nachbar freundlich zurück. Man versteht sich in Disteln.
Jahrelang waren Andrea Renker und ihr weißes Hollandrad aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. „Das Rad habe ich von meiner Mutter zu Beginn meiner Lehre 1978 geschenkt bekommen“, erzählt die aktive Sportlerin. „Das hat damals 500 D-Mark gekostet, die meine Mutter in 50-Mark-Raten abbezahlt hat. Das waren noch Zeiten.“ Danach waren Andrea und ihr Rad fast eine Einheit. Bis zu jenem düsteren Tag, an dem Andrea Renker ihren Schwager befragte, ob er ihren Drahtesel einmal testen könne. „Mein Schwager hatte ein Zweirad-Geschäft und damit Ahnung“, erklärt Renker. Und der Schwager brauchte nicht lange, um die geradezu schicksalhafte Wahrheit zu verkünden: Mit diesem Fahrrad könne sie nicht einen Meter mehr fahren, ohne in Lebensgefahr zu geraten. Was also nun tun mit dem lebenslangen Begleiter, der 29 Jahre treu seine Dienste versehen hat. „Mein Fahrrad auf die Müllkippe oder dem Klüngelkerl zu geben, kam nicht in Frage“, erinnert sich die leidenschaftliche Zweirad-Fahrerin. Also kam es in den Garten und dient dort als Hingucker. Je nach Jahreszeit wird es geschmückt: Im Frühling mit Primeln und zur Winterzeit kommt es weihnachtlich daher. Zudem prangt das Lebensmotto der 47-Jährigen an dem Ausstellungsstück: „Carpe diem“ – Nutze den Tag.
Dieser Kult hat Ehemann Uwe dazu bewogen, seine Frau beim Projektteam „Fahrradfreundliche Stadt Herten“ zur Fahrradfahrerin des Monats vorzuschlagen. Mit Erfolg: Aus den Händen von Lydia Schäfers nahmen beide als Dankeschön das Multifunktionsset entgegen.
Haben Sie auch so eine schöne Geschichte von ihren Nachbarn, Familienangehörigen oder Freunden? Denn wir suchen weiter. Melden Sie sich bei uns und schreiben Sie, warum derjenige, den Sie vorschlagen, der Fahrradfahrer des Monats werden soll. Sonntagsblatt im Vest, Sickingmühler Straße 99, 45772 Marl oder per E-mail: redaktion@sonntagsblatt-im-vest.de.
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