Architekten loben, Mieter schmähen
Marl. Die Häuser sind echte Hingucker. Sie passen so recht in eine Stadt, die sich modern und innovativ gibt und sich gerne mit viel Kunst schmückt. Die Stadt ist Marl, die Häuser sind die mutige Architektur der Wohnungsgesellschaft Ruhr-Lippe an der Von-Galen-Straße, fast in Blickweite des Rathauses. Doch die Häuser sind leer.
Die Bewohner waren verzweifelt, der Eigentümer hat resigniert: Die technischem Probleme der ungewöhnlichen Bauformen war einfach nicht in den Griff zu kriegen. Drei Parteien wohnen noch in den sechs Gebäuden. „Bauschrott“ schimpften die Bewohner und erzählten fassungslos von den Essengerüchen, die aus der Steckdose krochen.
Lob, aber auch Skepsis begleitete die Fertigstellung der Häuser vor neun Jahren. Überall im Stadtgebiet hatte man Ende der 90er Jahre damit begonnen, die Altbauten aus den 50er Jahren zu renovieren. Ruhr-Lippe machte hier etwas anderes: Sie riss die Häuser ab und baute neue Wohnungen – dem Trend der Zeit entsprechend deutlich größer. Für Irritationen aber sorgte die Architektur: Eine gebogene Wellblech-Haut. Ruhr-Lippe schlug den Bogen von der modernen Kunst zur modernen Baukunst. Die Resonanz war groß, die Neugierigen drängten sich in Marl.
Mehr nicht. Denn die Wohnungen waren nur schwer zu vermieten. Wohnen auf zwei Etagen war nicht jedermanns Sache. Die Balkone sind großzügig, doch sie stehen recht dicht am nächsten Gebäude.
Nach einigen Jahren kamen Baumängel dazu, immer mehr Mieter verließen ihre Wohnungen, von ursprünglich 44 sind es heute noch drei. Ruhr-Lippe drängt nicht auf einen Auszug, so Prokurist Heinz-Peter Junker. „Wir wollen nicht, dass die letzten Mieter in aller Eile die Koffer packen.“
Der Vermieter hat nämlich Zeit. Weil er noch keine Pläne hat, wie es weitergehen soll. Neuvermietungen gibt es nicht, weil zuerst Fragen des Brandschutzes gelöst werden müssten. „Wir prüfen, wie wir damit umgehen.“ Auch die technischen Probleme sind noch nicht angegangen worden.
Bevor Ruhr-Lippe erneut Geld in die Hand nimmt, um die Probleme an der von-Galen-Straße zu lösen, blickt sie auf die Wohnungslage in der Stadt. Und dort sieht sie mittlerweile ein Überangebot an Wohnungen. Deshalb will man sich auch nicht dazu äußern, was mit den Häusern weiter geschieht. Selbst ein Abriss ist nicht völlig undenkbar.
Dieses Wohnexperiment war auf jeden Fall ein Flop. Ganz anders die benachbarten Wohnungen von Ruhr-Lippe an der Martin-Luther-Straße. Die wurden traditionell saniert und sind weiterhin vermietet.
Keine Kommentare
Leave a comment
Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu hinterlassen.

