„Kalte Hühnersuppe“ wird aufbereitet

Dorsten/Marl. Es sieht so aus wie „kalte Hühnersuppe“, was demnächst in Tanklastern im Industriegebiet Dorsten-Marl ankommt. In Wirklichkeit ist es eine Geschäftsidee, die aus einem Abfallprodukt Milchfettsäure macht, die wieder in den Industriekreislauf zurückgeht. Refat, ein neues Unternehmen der bayrischen G+R Technology Group, investiert 20 Millionen Euro und schafft 40 Arbeitsplätze.

Die Bürgermeister von Dorsten (Lambert Lütkenhorst) und Marl (Werner Arndt), deren Städte gemeinsam den Industriepark betreiben, waren voll des Lobes über die Ansiedlung und die neuen Arbeitsplätze: „Ein schönes Investitionsprogramm für den heimischen Mittelstand.“

Aufgearbeitet wird nicht etwa das Altfett aus der Fritten-Bude (das ist zu wertvoll), sondern Fettwasser. 45 bis 50 Lkw liefern den Rohstoff täglich an, wegen des üblen Geruchs wird die Flüssigkeit in einer Halle ausgeladen und über einen physikalischen (nicht chemischen) Prozess zu Milchfettsäure aufgearbeitet. 100.000 Tonnen werden später hier jährlich verarbeitet, 20.000 Tonnen Fett kommen dabei raus. 75 Grad heiß, damit es flüssig beim Abnehmer ankommt und nicht als Fettklumpen.

Das Produkt ersetzt an anderer Stelle in der Industrie Palmöl oder Rapsöl. Vorverträge mit Abnehmern seien bereits abgeschlossen, so die Geschäftsführung. Dort werde das Produkt für die speziellen Anwendungen weiterverarbeitet. Für das Anliefern des Rohproduktes setzt man auf bestehende Organisationen, schließlich werde das Wasser schon heute eingesammelt.

In Kürze ist Baubeginn, im Herbst soll alles fertig sein und die sechsmonatige Anlaufphase beginnen. Das Grundstück ist mit fast 19.000 qm groß genug für eine mögliche Erweiterung.

Der Standort (nördliche Spedition Kläsener) ist kein Zufall: Der Markt im Umkreis von 100 Kilometer ist riesig, Geschäftsführer und Ideengeber Dr. Klaus zur Nedden war früher bei der Hüls AG beschäftigt und kennt die Gegend.

Die nächste Neuansiedlung im Industriepark steht übrigens auch schon in den Startlöchern. Gleich nebenan will ein Marktführer in der Baustoffindustrie (Straßenbau) eine Produktionsstätte mit Labor errichten. Auf dem 3,5 Hektar großen Gelände sollen acht Millionen Euro investiert werden und 35 Arbeitsplätze entstehen.

Monday, 8. March 2010, 10:51 • Verfasst in Dorsten

1 Kommentar:

Trogemann schrieb,

Comment • 8. March 2010 @ 18:24

Die Ankündigung des Neubaus einer Verarbeitungsanlage für fetthaltiges Abwasser hat mein Interesse geweckt.
Der geplante Massendurchsatz von 200.000 t/Jahr lässt den Schluss zu, dass es sich um eine Anlage handelt, in der Abwässer aus Schlachthöfen verarbeitet werden sollen.
Die Angabe zum anfallenden (gewonnenen) Fettgemisch in der Größenordnung von 20 % des Abwasserdurchsatzes erscheint allerdings sehr hoch.
In dem Zusammenhang möchte ich auf die im Artikel verwendete Bezeichnung “Milchfettsäure” aufmerksam machen. Ich nehme an, dass es sich um einen Schreibfehler handelt und es stattdessen “Mischfettsäure” heißen sollte.

Die Rentabilität der Anlage bereitet mir etwas Kopfzerbrechen, denn mit dem einzigen Nebenprodukt “Fett” ließe sich sicher kein Gewinn machen, da auch die Menge zu gering wäre.
Könnte es letztlich der Preisunterschied zwischen dem verschmutzten Abnahmeprodukt und der zu zahlenden Abwassergebühr sein, was diese Investition so interessant macht?
Beste Wünsche zum Gelingen des Projektes.

Manfred Trogemann


Leave a comment

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu hinterlassen.

Konnte keine Verbindung zur Datenbank herstellen