Wenn Behörden zur Säge greifen ist alles möglich

Vest. Kaum war vor einigen Tagen der Schnee weg, machten sich die Gärtner an die Arbeit: Bäume zurückschneiden oder fällen, Hecken und Gebüsch stutzen. In diesem Jahr wurde es für Privatleute an vielen Stellen eng: Noch zu Schneezeiten begann die gesetzliche Schutzzeit. Und was kaum jemandem bekannt war: Das NRW-Landschaftsschutzgesetz wurde von dem neuen, schärferen Bundesnaturschutzgesetz übertroffen.

Selbst die Kreisverwaltung wurde von der Neuerung überrascht und musste ihre Pressemitteilung zurückziehen. Vom 1. März bis zum 30. September ist es nicht nur verboten, Hecken, Wallhecken, Gebüsch, Röhricht- und Schilfbestände zu roden, abzuschneiden und zu zerstören. Sondern neuerdings auch Efeu an Wänden und Bäume. Erlaubt sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.

Das Verbot dient dazu, viele Vogelarten, aber auch Säugetieren und Insekten den notwendigen Nist-, Brut-, Wohn- und Zufluchtsraum zu erhalten, erklärt die Untere Landschaftsbehörde.

Der genauen Reglementierung der Bürger steht die Freiheit der Behörden gegenüber. Denn das Verbot gilt nicht für „behördlich angeordnete Maßnahmen“ – also all die vielen Schnittarbeiten an Straßen und auf öffentlichen Grünflächen. An der Stelle hatte es immer wieder Streit gegeben, wenn Anwohner die Polizei riefen, um das Fällen eines Baumes zu verhindern.

Der Erhalt von Bäumen war vor Jahren ein wichtiges Thema in allen Städten, das durch die Baumschutzsatzungen geregelt wurde. Manchem Bürger ging das zu weit, wenn der Baumschatten größer war als gewünscht. Daraufhin entdeckten die Politiker, dass der Bürger eigentlich doch so verantwortungsvoll sei, dass er das selber entscheiden könnte. In Marl wurde eine ganze Siedlung sofort abgesägt.

An anderen Stellen gab es immer wieder Proteste – wenn die Bäume schon gefällt waren. So wurden die Dämme des Wesel-Datteln-Kanals von großem Bewuchs befreit, weil die Wurzeln die Dämme aufweichten.

Und wenn gebaut werden soll, dann muss der Schutz der Lebensräume für Tiere und Pflanzen ohnehin dahinter zurückstehen.

Sunday, 7. March 2010, 11:51 • Verfasst in Vest

1 Kommentar:

Webnews.de schrieb,

Trackback • 7. March 2010 @ 17:58

Wenn Behörden zur Säge greifen ist alles möglich…

Kaum war vor einigen Tagen der Schnee weg, machten sich die Gärtner an die Arbeit: Bäume zurücksc…


Leave a comment

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu hinterlassen.

Konnte keine Verbindung zur Datenbank herstellen