Aufatmen bei den Patienten im Ostvest
Vest oder Datteln. (mc). Aufatmen bei den Patienten im Ostvest. Nachdem die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) monatelang das Ziel verfolgt hatte, im Kreis Recklinghausen nur noch zwei Notfalldienstpraxen einzurichten, hat nun als dritte Station auch das St. Vincenz-Krankenhaus den Zuschlag erhalten. Aufgrund des Ärztemangels gerade in ländlichen Regionen hatte sich die KVWL zu einer Reform entschlossen, die zum 1. Februar 2011 in Kraft treten sollte. Damals war vorgesehen, die Praxis am St. Vincenz-Krankenhaus zu schließen. Patienten aus Datteln, Olfen, Waltrop und Oer-Erkenschwick wären gezwungen gewesen, die entsprechenden Standorte an der Paracelsus-Klinik in Marl oder am Prosper-Hospital in Recklinghausen anzufahren. Unter Federführung von Wilfried Schmitz wurden im Ostvest über 11.000 Unterschriften gegen diese Pläne gesammelt. Und der zeigte sich im Gespräch mit dem Sonntagsblatt überglücklich. „Ich konnte nicht einmal mehr mein Mittagessen genießen, so sehr habe ich gezittert.“
Christopher Schneider, Pressereferent der Kassenärztlichen Vereinigung, erklärte zu dem überraschenden Ergebnis: “Wir haben die Argumente geprüft und festgestellt, dass dieses Anliegen ein berechtigtes ist.”
Im gesamten Landesteil werden 63 Notfalldienstpraxen für die Versorgung der Notfallpatienten zu den sprechstundenfreien Zeiten eingerichtet – die meisten davon mit direkter Krankenhausanbindung. Durch das neu geschaffene, flächendeckende Netz von Anlaufpraxen wird sich der Notfalldienst sowohl für die Patienten, als auch für die Ärzte wesentlich übersichtlicher gestalten. Über 90 Prozent der Einwohner in Westfalen-Lippe erreichen die nächstgelegene Notfalldienstpraxis in einem Zeitraum von maximal zehn bis 20 Minuten. Lediglich sechs Prozent der Bevölkerung müssen in dünn besiedelten Gebieten längere Anfahrtswege bewältigen, heißt es bei der KVWL.
Ein weiterer Bestandteil der Notfalldienstreform ist die Einrichtung eines landesweiten Fahrdienstes für Hausbesuche. Dieser wird zudem durch eine in Zukunft einheitliche Rufnummer zu erreichen sein. Dadurch wird gewährleistet, dass auch immobile Patienten eine optimale und wirksame Notfallversorgung erhalten.
Die umfassende Reform des ärztlichen Notfalldienstes ist nötig geworden, da viele Ärzte in Westfalen-Lippe bereits heute alltäglich an ihre Leistungsgrenzen bei der Aufrechterhaltung des Notdienstes stoßen. Insbesondere die hohe Dienstfrequenz durch das deutliche Missverhältnis zwischen städtischen und ländlichen Regionen ist häufig untragbar und verschärft dadurch auch die Nachwuchsproblematik zusehends.
So ist in Westfalen-Lippe bereits heute jeder vierte Hausarzt über 60 Jahre alt und wird in den kommenden Jahren aus dem aktiven Dienst scheiden. Auf Grund ihres gesetzlichen Sicherstellungsauftrags ist die KVWL daher zum Handeln gezwungen.
Die Reform bedarf noch der Zustimmung der Kammerversammlungder Ärztekammer Westfalen-Lippe, die am 20. März tagt.
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