Die Kunst verkaufen und den Chef mit einsparen
Marl. Kein Geld in der Kasse, aber massenweise wertvolle Kunst auf der Straße. Braucht die Stadt einen „Chef“ dafür? Kann sie sich einen Museums-Anbau leisten? Oder soll sie sich gar von den Kunstwerken trennen? Der neue Stadtrat hat Informationsbedarf, Entscheidungen sind erst einmal zurückgestellt.
Eigentlich könnte der neue Bürgermeister handeln und den Nachfolger von Dr. Uwe Rüth als Museumschef benennen. Er ist bereits ausgeschieden, sein Stellvertreter Dr. Karl-Heinz Brosthaus scheidet demnächst aus. Die Bewerbungen liegen vor. Doch in CDU und SPD gibt es offensichtlich noch einmal Gesprächsbedarf. Die Wählergemeinschaft Grüne sorgt sich bereits, alte Entscheidungen könnten gekippt werden.
Gleichzeitig ist auch der Wert der 1500 Kunstgegenstände in den Blick geraten. Jahrzehntelang gab es keine Inventur, keine Überblick. Doch die Umstellung des Finanzwesens verlangt die Liste (sie soll bis Ende 2010 fertig sein). Inzwischen gibt es eine Schätzung: Wert 15 Millionen Euro.
Könnte nicht mit einem Verkauf einen Teil der städtischen Schulden abgebaut werden? Den entsetzten Kulturfreunden springt der Finanzdezernent Dr. Michael Gläseker helfend zur Seite: Der Kunstwert stelle auch die Sicherheit für die städtischen Kredite dar. Also: Weniger Kunst, weniger Kredite. Und wer weiß schon, was auf dem Kunstmarkt derzeit zu erzielen ist. Ausschläge nach oben sind möglich, aber auch nach unten.
Dass überhaupt über eine solche Möglichkeit nachgedacht wird, zeigt, dass die Marler die Ausstrahlung als Kunst-Stadt weit geringer achten als Fremde. Die Einheimischen nehmen auch den Freundeskreis Habakuk nur am Rande wahr. Dabei wollte der sich entscheidend an der Finanzierung einer Museums-Erweiterung beteiligen. Um das Thema ist es mittlerweile still geworden.
Und dennoch engagieren sich die Museumsfreunde in hohem Maße. In diesem Jahr unterstützt Habakuk drei Ausstellungen mit zusammen 65.000 Euro. Und er finanziert eine weitere Skulptur, die demnächst in Marl vorgestellt werden soll. Geschätzter Wert: 300.000 bis 400.000 Euro.
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