Sprengstoff-Wasser darf den Rasen nicht benetzen

Haltern. Menschen und Tiere dürfen das Grundwasser in Haltern-Lehmbraken schon seit Jahren nicht mehr trinken. Jetzt darf man damit auch keinen Rasen und keine Pflanzen mehr bewässern. Dann das Wasser enthält eine krebserregende Verbindung, die 65.000-mal höher liegt als der Schwellenwert. Die Verseuchung ist die Spätfolge der Sprengstofffabrik WASAG, die in den Weltkriegen zwangsweise für die Wehrmacht produzierte (wir berichteten).

Schon seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass das Grundwasser auch weit außerhalb des Werksgeländes mit Sprengstoff verseucht ist. Während der beiden Weltkriege versickerte das Spülwasser aus der Entsorgung nicht verwendeter Munition im Boden und wird seither vom Grundwasser in Richtung Lehmbraken geschwemmt.

Die Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-Actien-Gesellschaft (WASAG) war 1891 gegründet worden und produzierte (mit bis zu 3000 Mitarbeitern) Sprengstoff für den Krieg oder für den Bergbau. Heute gehört das Unternehmen (das heute Sythengrund heißt) der H&R WASAG AG in Salzbergen. Die Sprengsstoff-Aktivitäten wurden 2007 an ein italienisches Unternehmen verkauft.

1999 wurden die Bewohner von Lehmbraken erstmals über Belastungen informiert, 2000 und 2001 entfernten Sythengrund die hoch belasteten Böden auf dem 3 Quadratkilometer großen Gelände. Seitdem misst der Kreis Recklinghausen in 20 Grundwassermessstellen vom Werksgelände bis nach Sythen über drei Kilometer. Die sprengstofftypischen Verbindungen erreichen Werte von 800 bis 3000 Mikrogramm. Die Schwankungen hängen mit dem Fluss des Grundwassers zusammen. Doch im Oktober 2009 lag der Wert plötzlich bei 13.000 Mikrogramm. Unerklärlich für die Untere Bodenschutzbehörde beim Kreis Recklinghausen. Deshalb nun das konsequente Wasserverbot.

Die Hausbrunnen in Sythen sind nach Angaben des Kreises bisher nicht belastet, weil sich das Grundwasser nur langsam bewegt. Um die Auswirkungen beurteilen zu können, müssen Brunnen bis 100 Meter Tiefe gebohrt werden. Eine Aufgabe, die Jahre dauert. Erst danach könne man sich der Frage nähern, ob Sanierungsmaßnahmen überhaupt technisch und finanziell leistbar sind, meint der Kreis. Derzeit wird von einem dreistelligen Milliardenbereich gesprochen. Sythengrund will sich an entsprechenden Forschungsprojekten beteiligen. Der Boden sei aber nicht mit Sprengstoff angereichert. Gelsenwasser sei in die Untersuchungen eingebunden, das Trinkwasser sei nicht gefährdet, erklärt der Kreis.

Auf einer unbelasteten Teilfläche will Sythengrund Quarzsande abbauen. Das Projekt habe keinen Einfluss auf die Altlasten-Situation. Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Teil frei von Altlasten sei. Und durch den Sandabbau würde sich die Ausbreitungsrichtung de Schadstoffe im Grundwasser auch nicht verändern.

Sunday, 10. January 2010, 14:42 • Verfasst in Haltern

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