Portwein kommt aus Recklinghausen-Hochlar

Recklinghausen (mc). Die schönste Jahreszeit im Garten von Jürgen Danihelka ist angebrochen und in vollem Gang: Erntezeit. Mirabellen, Gurken, Brombeeren und Kirschen stehen schon verarbeitet im Kellerregal. Der 68-jährige Hobbygärtner ist ganz in seinem Element, wenn er vom richtigen Schnitt bei Spalierobst oder Trauben spricht. „Ich war Polier auf Montage“, erzählt er „und das Wichtigste bei mir war Präzision. Das ist im Garten nicht anders.“ Und das sieht man seinen Pflanzungen auch an. Jeder Strauch, jeder Baum ist exakt bearbeitet.

Doch die Hochzeit des Jahres wartet noch auf den „Hochlarer Brummbären“. Weinlese. Seit 15 Jahren ist Jürgen Danihelka Hobby-Winzer aus und mit Leidenschaft. „Wenn ich Glück habe und die Pilze meine Trauben verschont haben, ernte ich 50 bis 60 Kilogramm Trauben.“ Aus denen kann er dann 35 bis 40 Liter Traubensaft herstellen. „Ein gewisses Deputat an Saft bekommt meine Frau“, grinst Danihelka. „Die trinkt nämlich keinen Alkohol.“

15 Liter werden vergoren. Dazu muss der Ruhrgebiets-Winzer zwei Ballons à 7,5 Liter befüllen. Mit Hefe beginnt dann zunächst die stürmische Gärung. Nach etwa zehn Tagen geht es in die ruhige Gärung. „Dann sieht man am Gluckerröhrchen, dass sich da noch was tut“, erläutert der Experte. Nach drei Monaten gibt es dann schon einen leichten Wein. Doch das ist Danihelkas Sache nicht. Er steht auf schwere Süßweine. Und die brauchen ein halbes Jahr Aufmerksamkeit. Immer wieder muss der Bodensatz abgezogen werden, „sonst schmeckt der Wein müffelig“.

Dann kann endlich auf Flaschen abgezogen werden, ein bisschen Schwefel dazu, damit die Gärung nicht wieder von Neuem losgeht (Korken sind ihm schon um die Ohren geflogen) – dann braucht es Geduld. Für einen guten Wein bedarf es einer Lagerung von zwei Jahren. „Erst dann hat der Wein sein richtiges Bukett.“ Stolz ist Danihelka auf den Alkoholgehalt seiner Weine. „Das liegt zwischen 15 und 18 Prozent, höher geht es nicht.“

Und wenn der Genießer dann abends an einem Gläschen Portwein nippt, kommt doch Ehefrau Ursula mit dem Wunsch, ein halbes Gläschen probieren zu dürfen.

Saturday, 12. September 2009, 14:30 • Verfasst in Recklinghausen

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