Zweifel an Wirksamkeit von Umweltzonen
Vest. Kritik an den Umweltzonen im Ruhrgebiet und der möglichen Festsetzung einer Umweltzone in Münster übt die regionale Verkehrswirtschaft. „Auch Unternehmer wollen für sich, ihre Familien und ihre Mitarbeiter möglichst saubere Luft zum Atmen“, betonte Hermann Grewer im Verkehrsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. „Doch Aufwand und Nutzen stehen bei den Umweltzonen offensichtlich nicht mehr in einem vernünftigen Verhältnis zueinander“, so das Resümee des Ausschussvorsitzenden und IHK-Vizepräsidenten nach einer Diskussion mit den rund 30 Ausschussmitgliedern, die in Münster tagten.
Als problematisch sehen die Unternehmensvertreter aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region insbesondere die unterschiedliche Genehmigungspraxis der Kommunen hinsichtlich der Ausnahmegenehmigungen für besondere Fahrzeuge und -zwecke an. „Der bürokratische Aufwand für die Unternehmen ist enorm, so Grewer. „Hier brauchen wir dringend eine einheitliche und wirtschaftsfreundlichere Genehmigungspraxis“.
Deutlich sprach sich der Ausschuss gegen Überlegungen der Bezirksregierung aus, im nächsten Jahr auch im Stadtgebiet von Münster eine Umweltzone festzulegen. „Es kann nicht sein, dass wir wegen punktueller Überschreitungen der Stickoxid-Werte die gesamte Innenstadt von Münster für einen erheblichen Teil des Wirtschaftsverkehrs sperren“, ärgert sich der Spediteur Grewer über den aus seiner Sicht „zunehmenden Umweltaktionismus“.
Die IHK setzt auf alternative Aktivitäten. Unter anderem will sie Informationsveranstaltungen durchführen, um die Unternehmen trotz der ohnehin wirtschaftlich schwierigen Lage im Transportgewerbe dazu zu bringen, „wo immer es wirtschaftlich vertretbar ist“, in umweltgerechtere Fahrzeuge zu investieren. „Mit einer Umweltzone behindern wir letztendlich diese Neuinvestitionen, weil dann der Wertverfall für Fahrzeuge, die nicht mehr in die Innenstadt einfahren dürfen, immens ist“, befürchtet Grewer.
Ein weiteres Ziel der IHK sei es, Berufspendler noch stärker auf die attraktiven Angebote des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) hinzuweisen, da insbesondere die Diesel-Pkw der Pendler erheblich zur Stickoxid-Belastung beitragen. „Aber“, so fordert Grewer, „auch der ÖPNV selbst muss sauberer werden“.
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